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Samos

Shipyard A. Lindus

Die Insel Samos – Geographie, Klima und Geschichte

Die Insel Samos ist Teil der Südlichen Sporaden, vor der kleinasiatischen Küste in der Ostägäis und liegt 45 Flugminuten von Athen entfernt. Samos ist die achtgrösste Insel Griechenlands. Hauptort der Insel ist die Stadt Vathy-Samos, im Nordosten der Insel. Im Südosten der Insel liegt in Sichtweite die Türkei. An der engsten Stelle der Meerenge sind es nicht ganz zwei Kilometer Entfernung. Limnionas befindet sich abseits von Städten und touristischen Zentren, an der südwestlichen Spitze der Insel.

Charakteristische Merkmale von Samos sind die schönen Strände, vielen Hügel, hohen Berge, Pinien- und Eichenwälder, Zypressen, Olivenhaine und Weinterrassen mit beschaulichen Dörfchen. Dort können Sie in einer Taverne neben diversen lokalen Spezialitäten, den vorzüglichen Samoswein, gewonnen aus gelben Muskatellertrauben, kosten. Samos ist berühmt für seine süssen Weine, doch auch Retsina, geharzter Wein und andere Weinsorten werden auf der Insel produziert.

Sie können sich auf Samos an wunderschönen Mountain-Bike Touren oder Wanderungen, zum Beispiel ins Tal der Nachtigallen, zu den Wasserfällen in Potami oder rund um die Berge Kerkis (1434 Meter) und Ambelos (1153 Meter) erfreuen, Klöster und antike Stätten besuchen oder Bootsfahrten in der türkisklaren Ägäis geniessen. Entlang der Küste laden versteckte Buchten zu einem Spaziergang, erfrischenden Bad oder Picknick ein. Falls Sie Freude an einem grösseren Ausflug haben, gibt es die Möglichkeit neben Kuşadası und Ephesos in der Türkei, auch die griechischen Nachbarinseln Samiopoula, Ikaria, Fourni oder Patmos zu besuchen.

Die Winter auf Samos sind mild und regenreich, die Sommer trocken und warm. Samos gehört zu den sonnenreichsten Gebieten Griechenlands. Die Sommerhitze im Juli und August wird häufig durch einen angenehmen Wind, den Meltemi, ergänzt. Im Sommer gibt es im Norden der Insel, bei Kokkari, die Möglichkeit den Wind zum Surfen zu nutzen.

Die älteste, auf Samos gefundene Siedlung, stammt aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. und liegt im fruchtbaren Südosten der Insel. In der Antike wurde die Insel auch Anthemis - die Blühende, Pitioussa - die Pinieninsel, Dryoussa - die Eicheninsel, Kyparissia - die Zypresseninsel oder Phillas - die Laubreiche genannt. Und wirklich, das Erste, was einem noch heute auf Samos auffällt, ist, unabhängig von der Jahreszeit, die üppige, bunte und vielfältige Flora. Der einzigartige Geschmack des samiotischen Honigs, entsteht insbesondere durch den wildwachsenden Thymian und die Aleppo-Kiefern, die die Wälder der Insel prägen.

Samos war in der Antike ein bedeutendes religiöses und wirtschaftliches Zentrum. Besonders berühmt war die Insel unter dem Tyrannen und Piraten Polykrates (ca. 538-522 v. Chr.), der mit seinen Brüdern die Insel eroberte und eine mächtige Seeherrschaft gründete. Durch seinen Reichtum lockte er viele interessante Persönlichkeiten an seinen Hof. Polykrates lebte luxuriös und baute einen Palast, den lange Zeit später, der römische Kaiser Caligula, bewundert haben soll. Spuren der Bauten des Polykrates findet man noch heute in Pythagorio und Umgebung. Friedrich Schiller behandelt in der Ballade "Der Ring des Polykrates" den zunächst grossen Erfolg und anschliessend tiefen Fall des Herrschers.

Zu den Kritikern und Gegnern von Polykrates gehörte der Philosoph, Mathematiker und Akkusmatiker Pythagoras (ca. 570-510 v. Chr.), der um 531 v. Chr. die Insel - angeblich von der Bucht von Limnionas aus - Richtung Italien verliess und dort eine Schule und Gemeinschaft gründete. Von Pythagoras stammt die Vorstellung "der Himmel ist Harmonie und Zahl".

Samos ist ausserdem der Geburtsort des Philosophen Epikur (341-271 v. Chr.), des Suchers nach dem einfachen, glückseligen Leben. Auch der durch seine Fabeln und Gleichnisse berühmt gewordene Dichter Äsop soll aus Samos stammen. Neben der bekannten Fabel über die Schildkröte und den Hasen, stammen viele andere, von der späteren europäischen Fabeldichtung aufgenommene Erzählungen, von Äsop.

Zeugnisse des Altertums lassen sich in Form des Heraions von Samos, in der Nähe der über zweieinhalbtausendjährigen Stadt Pythagorio und diverser Funde im Archäologischen Museum in Samos Stadt bewundern. Das Heraion ist eine monumentale Tempelanlage, die im 6. Jahrhundert v. Chr. eines der wichtigsten Heiligtümer der Region war. Aus dieser längst vergangenen Zeit erzählen auch der Euphalinostunnel und diverse kleinere Ausgrabungsstätten.

Das typisch samiotische Geschirr mit der rotbraun glänzenden Glasur und den weissen Musten, das in unseren Häusern und diversen Keramikläden der Insel zu finden ist, stammt auch aus der Antike. Diese Form der Keramik wurde von den Römern als Terra Sigillata im grossen Stil nachgeahmt und verbreitete sich im gesamten römischen Reich.

Nach dem Sturz des Polykrates wurde Samos abwechselnd durch das Persische Reich und Athen beherrscht, wodurch die Insel während des Peloponnesischen Krieges (431-404 v. Chr.) gegen Sparta auf der Seite Athens stand und in den letzten Kriegsjahren gewisse Privilegien erhielt. 365 v. Chr. vertrieb der attische Feldherr Timotheos die gesamte Inselbevölkerung und siedelte Verbündete an, die eine eigene Gesellschaft gründeten. Nach dem Tod von Alexander dem Grossen wurde die Insel 322 v. Chr. den Samiern zurückgegeben und erlebte eine kurze Zeit der Unabhängigkeit. Anschliessend wurde die Insel zu einem ptolemäisch ägyptischen Flottenstützpunkt und später zu einer römischen Provinz Asiens.

In der römischen und anschliessend byzantinischen Zeit erlangte Samos vor allem während des Ptolemäischen Krieges, von 32-30 v. Chr. Bedeutung, als Marcus Antonius gemeinsam mit Kleopatra VII. gegen Octavian, den späteren Kaiser Augustus, um die Alleinherrschaft von Rom kämpfte. Antonius verlegte sein Hauptquartier auf die Insel, da sie ihm besonders gefiel und strategisch günstig positioniert war. Plutarch berichtet, dass sich in Samos Künstler, Schauspieler, Musiker, Schriftsteller und Tänzer versammelten, um die Flotten des berühmten Liebespaares zu begleiteten. Antonius und Kleopatra veranstalteten rauschende, dionysische Feste, wie sie damals auf Samos üblich waren. Auch Augustus kam zwei Mal nach Samos. Kleopatra und Antonius begingen nach ihrer Niederlage Selbstmord, ein Thema, das von William Shakespeare in der Tragödie "Antonius und Cleopatra" bearbeitet wurde.

Als die Insel 1475 zu einem Teil des Osmanischen Reiches wurde, hiess sie auf türkisch Sisam adası. In dieser Zeit fanden viele Piratenüberfälle auf die Insel statt. Die Altstadt von Samos, Ano Vathy, mit ihren engen Gässchen und nah beieinanderliegenden Häusern, zeugt noch heute von den Piratenangriffen. Die Bauweise wurde entwickelt, um Überblick zu haben, geschützt zu sein und bei Bedarf möglichst rasch über die Dächer von Haus zu Haus flüchten zu können. Viele Bewohner, die sich nicht in die Berge zurückgezogen hatten, verliessen die Insel und siedelten sich auf der Nachbarinsel Chios an, die, wie Samos ein paar Jahre zuvor, eine Genuesische Kolonie war. Während dieser Zeit verbreitete sich ausserdem über die Handelswege die Pest, was dazu führte, dass die Insel über mehrere Jahre nahezu unbewohnt war.

Erst Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Insel wieder wohnlicher. Der Sultan des Osmanischen Reiches sicherte Samos eine gewisse Autonomie zu und die Nachfahren der ehemals nach Chios ausgewanderten Samioten, die sogenannten Chiosami, beteiligten sich an der Wiederbesiedelung. Im Gegenzug erhielten sie Land und sieben Jahre Steuerfreiheit. Während Chora und später Samos Stadt zu den Verwaltungszentren der Insel wurden, war in der Anfangszeit der Wiederbesiedelung die Stadt Karlovasi das Finanz- und Handelszentrum.

Ende des 19. Jahrhunderts zerstörten Rebläuse nahezu den kompletten Weinbau, den wichtigsten Wirtschaftszweig der Insel. Die heute verbreitete Rebsorte Gelber Muskateller, die auf Samos besonders gut wächst, stammt aus der Neubestockung der Weinbestände, die mehrere Jahre dauerte. Aufgrund des wegfallenden Weinbaus wurden die Handelstätigkeiten auf Tabakanbau und Gerberei umgestellt. Noch heute ist das Stadtbild von Kirchen, alten Fabrikgebäuden und Villen aus dieser Zeit geprägt. Karlovasi war die reichste Stadt der Insel und es gab von 1905 bis 1939 eine von Pferden gezogene Strassenbahn. Im modernen Gerbereimuseum der Stadt, kann man mehr über die Geschichte dieser Zeit erfahren.

Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert war Samos somit wieder ein wichtiges Handelszentrum der Region. Es wurde vor allem mit Olivenöl, Rosinen und Wein sowie Tabak und Lederprodukten gehandelt und es wurden enge Beziehungen zu Smyrna, Konstantinopel, Russland, Ägypten und Frankreich erhalten. Durch die engen Handelsbeziehungen zu Frankreich verbreiteten sich die Ideale der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – insbesondere unter der kaufmännischen Bevölkerung von Karlovasi, was zu politischen Auseinandersetzungen auf der Insel führte. Es standen sich zwei Gruppen, die Carmagnoles (Unterstützer fortschrittlicher Ideen, die das bestehende System bekämpften) und Kallikantzari (Unterstützer des bestehenden Systems, die mit der osmanischen Administration der Insel zusammenarbeiteten) gegenüber. Diese Konflikte dauerten von 1807-1812 und führten zu einer kurzweiligen Umgestaltung des politischen Systems zugunsten einer demokratischen Versammlung, die 1812 bereits wieder entmachtet wurde.

Ab 1821 begann die griechische Revolution und Samos wurde 1824 Schauplatz eines bedeutenden Seesieges über die Osmanen. 1829 wurde die Insel entsprechend der Londoner Protokolle, die die Schaffung eines Hellenischen Staates behandelten, dem Osmanischen Reich zurückgegeben und zum selbstverwaltenden, tributpflichtigen Teil der türkischen Provinz Vilajet Dschesair. Vom 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Samos somit ein eigenes Fürstentum mit Autonomiestatus und gewissen Privilegien. Hauptstadt war Vathy (heute ein Teil von Samos Stadt) und der orthodoxe Fürst wurde jeweils vom osmanischen Sultan ernannt. 1908 rebellierte die Inselbevölkerung und nachdem die Insel aufgrund des Italienisch-Türkischen Krieges kurz von italienischen Truppen besetzt war, wurde sie 1913 zum Teil des seit 1832 bestehenden Königreich Griechenland. Ein paar Jahre darauf, 1925, wurde über die Unabhängigkeit der Insel debattiert, der Plan wurde jedoch nicht umgesetzt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Samos erst von italienischen, dann englischen und schliesslich deutschen Truppen besetzt. Kurz nach Kriegsende brach 1946 der Griechische Bürgerkrieg zwischen der Demokratischen Armee Griechenlands und der konservativen Regierung aus. Der Bürgerkrieg dauerte bis 1949 und endete mit einer Niederlage der Demokratischen Armee. Die zwei direkt aufeinanderfolgenden Kriege führten zum Erliegen des wirtschaftlichen Lebens der Insel und bis in die 1970er Jahre hinein, aufgrund der fehlenden Möglichkeiten, zu einer starken Auswanderungsbewegung. Seit den 1980er Jahren ist die Insel wieder belebter, u. a. durch Rückkehrer und Nachfahren ehemaliger Auswanderer und es kommen auch wieder mehr Gäste, Besucher und Touristen auf die schöne Insel.

Heute bietet Samos strahlenden Sonnenschein, ein türkisblaues Meer, abwechslungsreiche Landschaften und viele Möglichkeiten sich eine ganz individuelle Mischung aus Entspannungs- und Aktivurlaub zu gestalten.

 

Weiterführende Links

Online Reiseführer
Informationen zu archäologischen Forschungen und Ausgrabungen auf der Insel Samos

 

Flüchtlingssituation auf Samos

Ab 2015 kamen zahlreiche Geflüchtete aus Kriegs- und Konfliktgebieten über die Türkei auf den Inseln Lesbos, Chios und Samos an. Viele dieser Menschen befinden sich im leider komplett überbelegten Flüchtlingslager in der Nähe von Samos Stadt und warten auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge. Ärzte ohne Grenzen sowie diverse andere Organisationen und Freiwillige versuchen, so gut es geht zu helfen und freuen sich über Spenden.